Artikel vom 26.11.2006

Kaufen und Anhören! Die neue CD des Kölner Menschensinfonieorchesters

Die Kuppel des "Weltstadthauses" von P&C ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Das Menschensinfonieorchester aber ist ein ganz besonderes Orchester - darum war dieser besondere Ort auch ganz richtig für die Präsentation von deren zweiter CD.

Die Idee zur Gründung des Menschensinfonieorchesters hatte der Profimusiker Alessandro Palmitessa im Jahr 1999. Zusammen mit Hans Mörtter, dem Pfarrer der evangelischen Lutherkirche [1] in der Südstadt wurde diese Idee weiter gesponnen und entwickelt.



So wurde das Menschensinfonieorchester "geboren"

Niemand hätte damit gerechnet, dass dieses Orchester aus obdachlosen und nicht-obdachlosen Musikern, das Palmitessa gründete, einen solchen Erfolg erleben würde. Dass bei der ersten CD, die die Gruppe produzierte, Helmut Zerlett oder Markus Stockhausen gern als Gast-Musiker auftreten würden, große, überregionale Medien sich für das Projekt interessierten und Anfragen für Auftritte der Gruppe gar aus Tschechien einlaufen würden. Und doch: Genauso war es. Mehr noch: Jetzt hat dieses bundesweit einmalige Orchester die zweite CD aufgenommen – ein perfektes Weihnachtsgeschenk (für 15 Euro zu beziehen unter Telefon 0221/376 29 90 oder hier [2]). Das Orchester hat sich übrigens den Namen „Menschensinfonieorchester [3]“, kurz MSO gegeben.

Präsentation der zweiten CD über den Dächern von Köln
„Dat war geil“, sagt einer der Musiker, von Mörtter nach der CD-Produktion gefragt und lässt offensichtlich glücklich den Blick über Kölns beleuchtete Dächer schweifen. Denn die Präsentation der zweiten CD des Menschensinfonieorchesters, unterstützt von Sönke Wortmann, Jean Pütz und anderen Kölner „Promis“, findet im Dachgeschoss des Weltstadthauses (oder Peek und Cloppenburg) neben der Antonitercitykirche [4] – die den Kontakt auch vermittelt hat – statt. „Ein besonderer Ort für ein besonderes Orchester, das eine besondere Musik spielt“, findet auch Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, die neben Andreas Hupke, dem Bezirksvorsteher im Kölner Stadtbezirk Innenstadt betont, wie stolz die Stadt Köln auf ein solches Projekt sein kann.



Besondere Musik?
In der Tat. Fünf verschiedene Percussionisten geben der Musik ihren besonderen Rhythmus, zwei Querflöten, ein Keyboard, Posaune, Saxofon, Trompete, Gitarre Sitar und ein selbst gebauter Bass – und all das gespielt von Menschen unterschiedlichster Nationalität, in unterschiedlichen Lebenssituationen, vom Obdachlosen bis zum Profimusiker. Sängerinnen und Sänger wechseln sich ab, viele Titel haben die Band-Mitglieder selbst komponiert. Und eins ist klar: Das ist keine "Assi"-Musik, das ist hoch professionell. Dafür bürgt bei der neuen CD nicht nur - wei immer - Alessandro Palmitessa mit seinem Saxofon, nein: Auch dem prominenten Gastmusiker merkt man an, dass er enormen Spaß an der professionellen Spielfreude all dieser Menschen auf der Bühne hat.


Und der ist in Köln wahrlich kein Unbekannter: Stephan Brings heißt er - und wenn er mit auf der Bühne steht, klingt das, als sei es nie anders gewesen. Profimusiker ist ja auch Klaus von Wrochem, der mit seiner Geige die Band ebenfalls von Anfang an begleitet.

"Gute Musik, fantastische Musik!"
Aus diesem scheinbar unmöglichen Projekt „Menschensinfonieorchester“ ist eine Erfolgsgeschichte geworden, über die Band-Leiter Palmitessa noch immer ganz erstaunt ist: „Dass wir heute hier – fast im Himmel – sind, ist wirklich ein Wunder. Das konnte nur ein Pastor bewirken“, sagte er mit Blick in die Glaskuppel des Weltstadthauses. Der „Pastor“ sieht das alles weitaus pragmatischer: Er will nichts mehr hören von dieser „Obdachlosenkiste“ – und meint damit eine „Schublade“, in die das Orchester immer wieder „gesteckt“ werde. Nein. „Das ist gute Musik, fantastische Musik“, ruft er aus. Und: „Nur darum geht es!“




Swing plus Tarantella plus HipHop
Palmitessa stimmt zu: Das Orchester existiere nur, weil sein Publikum offen genug war, eben dieses Schubladendenken hinter sich zu lassen. Diese Aussagen werden beispielsweise mit einem Titel wie dem von Christiane - der Trompeterin im Orchester - komponierten Lied über die Zwiebeln, „ganz gemeines Pack“, vor allem, wenn man sie schneiden muss, unter Beweis gestellt: Musikalische Definition dieses Liedes, das die Komponistin übrigens auch noch selbst virtuos auf kölsch und englisch singt: „Swing plus Tarantella plus HipHop“.



Oder das persische Lied, das beim Live-Auftritt sanft über Kölns Dächern zu schweben schien: Nur eine menschliche Stimme, Percussion und ein Saxofon. Das ist Musik zum Träumen.

Es geht um Musik. Und es geht um Menschen.
Mörtter und Palmitessa erinnern zum Beispiel an Dirk und Uwe, Gründungsmitglieder der Band. Beide machten „Platte“. Und beide sind tot. Einer von ihnen starb, „klassisch“, wie Mörtter erzählt: Er wollte einen Entzug machen und sich vorher „noch mal was gönnen“. Aber er war arm. Und Arme „bekommen nur den schlechtesten Stoff.“ Da krepiert einer dann schneller als jemand, der sich „das teure Zeug leisten kann.“ Für alle ist klar „Dirk und Uwe reisen mit uns.“

Reisen, das ist im mehrfachen Sinn zu verstehen: Die Reisen des Orchesters zu Gastauftritten – zuletzt etwa nach Bottrop, das Reisen durch die Musikstile auf der wirklich hörenswerten CD. Und das Reisen in Gedanken und Räumen, zwischen Armut und Geld, zwischen Spaß und Ernst, zwischen den Musikstilen – und immer nur von einem bestimmt: Vom Spaß an der Musik.

Die neue CD - kein schlechtes Weihnachtsgeshenk...
Sie heißt „Tanz mit mir - balla con me“, und kann hier [5] auch im Internet bestellt werden. Hören Sie sie sich an, verschenken Sie die CD, nicht nur zu Weihnachten.... Für 15 Euro zu beziehen unter Telefon 0221/376 29 90. Und übrigens: Man kann die Band auch jederzeit buchen, mehr dazu hier [6].



Und noch ein Tipp: Die Musiker des Menschensinfonieorchesters spielen auch immer mal wieder beim kostenlosen Kölner Obdachlosenfrühstück [7] im Vringstreff.

Der Artikel enthält Verweise auf die folgenden Webseiten

[1] http://www.lutherkirche-koeln.de
[2] http://www.menschensinfonieorchester.de/mso-cd06.htm
[3] http://www.menschensinfonieorchester.de
[4] http://www.antonitercitykirche.de/
[5] http://www.menschensinfonieorchester.de/mso-cd06.htm
[6] http://www.menschensinfonieorchester.de/buchen-form.htm
[7] http://www.kirche-koeln.de/aktuell/artikel.php?keyword=&id=1070&archiv

Text: Maria Al-Mana
Foto(s):
AL

Link: http://www.kirche-koeln.de/aktuell/artikel_print.php?id=1206