

Die Kuppel des "Weltstadthauses" von P&C ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Das Menschensinfonieorchester aber ist ein ganz besonderes Orchester - darum war dieser besondere Ort auch ganz richtig für die Präsentation von deren zweiter CD.
Die Idee zur Gründung des
Menschensinfonieorchesters hatte der Profimusiker Alessandro Palmitessa im Jahr
1999. Zusammen mit Hans Mörtter, dem Pfarrer der evangelischen Lutherkirche
[1] in der Südstadt wurde diese Idee weiter gesponnen und entwickelt.

So wurde das Menschensinfonieorchester "geboren"
Niemand hätte damit gerechnet, dass dieses Orchester aus obdachlosen und nicht-obdachlosen
Musikern, das Palmitessa gründete, einen solchen Erfolg erleben würde. Dass bei
der ersten CD, die die Gruppe produzierte, Helmut Zerlett oder Markus
Stockhausen gern als Gast-Musiker auftreten würden, große, überregionale Medien
sich für das Projekt interessierten und Anfragen für Auftritte der Gruppe gar
aus Tschechien einlaufen würden. Und doch: Genauso war es. Mehr noch: Jetzt hat
dieses bundesweit einmalige Orchester die zweite CD aufgenommen – ein perfektes
Weihnachtsgeschenk (für 15 Euro zu beziehen unter Telefon 0221/376 29 90 oder hier
[2]). Das Orchester hat sich übrigens den Namen „Menschensinfonieorchester
[3]“, kurz MSO gegeben.
Präsentation der zweiten CD über den Dächern von Köln
„Dat war geil“, sagt einer der Musiker, von Mörtter nach der CD-Produktion
gefragt und lässt offensichtlich glücklich den Blick über Kölns beleuchtete
Dächer schweifen. Denn die Präsentation der zweiten CD des
Menschensinfonieorchesters, unterstützt von Sönke Wortmann, Jean Pütz und
anderen Kölner „Promis“, findet im Dachgeschoss des Weltstadthauses (oder Peek
und Cloppenburg) neben der Antonitercitykirche [4] – die den
Kontakt auch vermittelt hat – statt. „Ein besonderer Ort für ein besonderes
Orchester, das eine besondere Musik spielt“, findet auch Bürgermeisterin Elfi
Scho-Antwerpes, die neben Andreas Hupke, dem Bezirksvorsteher im Kölner
Stadtbezirk Innenstadt betont, wie stolz die Stadt Köln auf ein solches Projekt
sein kann.

Besondere Musik?
In der Tat. Fünf verschiedene Percussionisten geben der Musik ihren
besonderen Rhythmus, zwei Querflöten, ein Keyboard, Posaune, Saxofon, Trompete,
Gitarre Sitar und ein selbst gebauter Bass – und all das gespielt von Menschen
unterschiedlichster Nationalität, in unterschiedlichen Lebenssituationen, vom
Obdachlosen bis zum Profimusiker. Sängerinnen und Sänger wechseln sich ab,
viele Titel haben die Band-Mitglieder selbst komponiert. Und eins ist klar: Das
ist keine "Assi"-Musik, das ist hoch professionell. Dafür bürgt bei
der neuen CD nicht nur - wei immer - Alessandro Palmitessa mit seinem Saxofon,
nein: Auch dem prominenten Gastmusiker merkt man an, dass er enormen Spaß an
der professionellen Spielfreude all dieser Menschen auf der Bühne hat.

Und der ist in Köln wahrlich kein Unbekannter: Stephan Brings heißt er - und
wenn er mit auf der Bühne steht, klingt das, als sei es nie anders gewesen.
Profimusiker ist ja auch Klaus von Wrochem, der mit seiner Geige die Band
ebenfalls von Anfang an begleitet.
"Gute Musik, fantastische Musik!"
Aus diesem scheinbar unmöglichen Projekt „Menschensinfonieorchester“ ist eine
Erfolgsgeschichte geworden, über die Band-Leiter Palmitessa noch immer ganz
erstaunt ist: „Dass wir heute hier – fast im Himmel – sind, ist wirklich ein
Wunder. Das konnte nur ein Pastor bewirken“, sagte er mit Blick in die
Glaskuppel des Weltstadthauses. Der „Pastor“ sieht das alles weitaus
pragmatischer: Er will nichts mehr hören von dieser „Obdachlosenkiste“ – und
meint damit eine „Schublade“, in die das Orchester immer wieder „gesteckt“
werde. Nein. „Das ist gute Musik, fantastische Musik“, ruft er aus. Und: „Nur
darum geht es!“

Swing plus Tarantella plus HipHop
Palmitessa stimmt zu: Das Orchester existiere nur, weil sein Publikum offen
genug war, eben dieses Schubladendenken hinter sich zu lassen. Diese Aussagen
werden beispielsweise mit einem Titel wie dem von Christiane - der Trompeterin
im Orchester - komponierten Lied über die Zwiebeln, „ganz gemeines Pack“, vor
allem, wenn man sie schneiden muss, unter Beweis gestellt: Musikalische
Definition dieses Liedes, das die Komponistin übrigens auch noch selbst virtuos
auf kölsch und englisch singt: „Swing plus Tarantella plus HipHop“.

Oder das persische Lied, das beim Live-Auftritt sanft über Kölns Dächern zu
schweben schien: Nur eine menschliche Stimme, Percussion und ein Saxofon. Das
ist Musik zum Träumen.
Es geht um Musik. Und es geht um Menschen.
Mörtter und Palmitessa erinnern zum Beispiel an Dirk und Uwe,
Gründungsmitglieder der Band. Beide machten „Platte“. Und beide sind tot. Einer
von ihnen starb, „klassisch“, wie Mörtter erzählt: Er wollte einen Entzug
machen und sich vorher „noch mal was gönnen“. Aber er war arm. Und Arme
„bekommen nur den schlechtesten Stoff.“ Da krepiert einer dann schneller als
jemand, der sich „das teure Zeug leisten kann.“ Für alle ist klar „Dirk und Uwe
reisen mit uns.“
Reisen, das ist im mehrfachen Sinn zu verstehen: Die Reisen des Orchesters zu
Gastauftritten – zuletzt etwa nach Bottrop, das Reisen durch die Musikstile auf
der wirklich hörenswerten CD. Und das Reisen in Gedanken und Räumen, zwischen
Armut und Geld, zwischen Spaß und Ernst, zwischen den Musikstilen – und immer
nur von einem bestimmt: Vom Spaß an der Musik.
Die neue CD - kein schlechtes Weihnachtsgeshenk...
Sie heißt „Tanz mit mir - balla con me“, und kann hier
[5] auch im Internet bestellt werden. Hören Sie sie sich an, verschenken
Sie die CD, nicht nur zu Weihnachten.... Für 15 Euro zu beziehen unter Telefon
0221/376 29 90. Und übrigens: Man kann die Band auch jederzeit buchen, mehr
dazu hier [6].

Und noch ein Tipp: Die Musiker des Menschensinfonieorchesters spielen auch
immer mal wieder beim kostenlosen Kölner Obdachlosenfrühstück [7]
im Vringstreff.
Der Artikel enthält Verweise auf die folgenden Webseiten
[1] http://www.lutherkirche-koeln.de
[2] http://www.menschensinfonieorchester.de/mso-cd06.htm
[3] http://www.menschensinfonieorchester.de
[4] http://www.antonitercitykirche.de/
[5] http://www.menschensinfonieorchester.de/mso-cd06.htm
[6] http://www.menschensinfonieorchester.de/buchen-form.htm
[7] http://www.kirche-koeln.de/aktuell/artikel.php?keyword=&id=1070&archiv